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Impfungen – wichtige Maßnahmen

Nach einer Auswertung des Robert-Koch-Instituts (RKI), ist die Anzahl der Impfungen in Deutschland je nach Region sehr unterschiedlich und oft unzureichend. Laut der Anfang 2017 veröffentlichten Studie fehlt es rund 150.000 Kindern aus dem Geburtsjahrgang 2013 an ausreichendem Masernimpfschutz. Während häufig der notwendige 2. Termin zur Impfung nicht eingehalten wird, sind rund 28.000 Kinder gänzlich ungeimpft. Ziel aller Regionen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Eliminierung der Krankheit mit teils schwerem Verlauf bis spätestens 2020, Deutschland bildet dabei das Schlusslicht. Auch die empfohlene HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs bei Mädchen zwischen 9-14 Jahren liegt trotz eines leichten Anstiegs bei nur 30,5%.

Impfungen Masern

RKI – Epidemiologisches Bulletin 1/2017

Die verschiedenen Impfungen gehören zu den Vorbeugungsmaßnahmen im Rahmen der ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen. Es gibt in Deutschland keine Pflicht zur Impfung – ob und wogegen Eltern ihr Kind impfen lassen, bleibt ihrer freien Entscheidung überlassen. Viele Eltern fühlen sich dadurch verunsichert: Lebensbedrohliche Krankheiten wie Diphtherie und Pocken sind weltweit nahezu vollständig ausgerottet, und immer wieder wurde in der jüngsten Vergangenheit über schwere Impfschäden berichtet. Dass einige Krankheiten selten geworden sind, ist aber vor allem den Impfungen zu verdanken. Und verschiedenen Studien zufolge haben Impfungen weniger Nebenwirkungen als bisher angenommen. Aus diesen Gründen raten fast alle Kinderärzte dazu, Babys und Kleinkinder in regelmäßigen Abständen gegen bestimmte Krankheiten impfen zu lassen. Die heute verwendeten Impfstoffe sind im Allgemeinen gut verträglich. Verglichen mit den gefährlichen Symptomen und Folgen, die im Falle einer Erkrankung auftreten, sind die möglichen Nebenwirkungen vergleichsweise gering.

Grundsätzlich wird bei allen Impfungen die Natur nachgeahmt: Im Normalfall versucht nämlich das Immunsystem einen Eindringling zu bekämpfen, wenn er zum ersten Mal auftaucht. Es bildet Antikörper, produziert Abwehrzellen und lässt die Körpertemperatur ansteigen. Bei Impfungen geschieht folgendes: Mit dem Serum bekommt der Körper abgeschwächte oder völlig unschädlich gemachte Erreger zugeführt. Das Immunsystem reagiert darauf in ähnlicher Weise wie bei einer echten Infektion und bildet Antikörper. Die Erreger sind jetzt bekannt – dringen sie später erneut in den Organismus ein, werden sie bereits erwartet und frühzeitig bekämpft. So bleibt ihre gefährliche Wirkung ganz aus oder tritt nur in abgeschwächter Form auf.

Diphtherie

Die früher gefürchtete Krankheit ist heute zwar selten, sie kann bei Ansteckung jedoch zu lebensbedrohlicher Atemnot sowie zu Herzmuskelschädigungen und Nervenlähmungen führen. Die Impfung wird zusammen mit der gegen Wundstarrkrampf (DT-Impfung) im ersten Lebensjahr zweimal, oder zusammen mit dem Keuchhustenimpfstoff als DPT-Impfung dreimal verabreicht. Kinder vertragen die Impfungen im Allgemeinen gut, ernsthafte Komplikationen (zum Beispiel Krampfanfälle, Lähmungen und Schäden am Nervensystem) sind sehr selten. Schwellungen und Rötungen an der Impfstelle treten häufig auf, sind aber ungefährlich. Die Nebenwirkungen der DPT-Impfung sind meist stärker.

Haemophilus-influenzae-b (Hib)

Mit dem Bakterium Haemophilus influenzae Typ B infiziert sich den Statistiken zufolge eiines von 450 Kindern in den ersten fünf Lebensjahren.Folgen einer Ansteckung mit diesem Bakterium können sein:

  • Hirnhautentzündung
  • Kehlkopfentzündung
  • Lungenentzündung
  • Gelenkkrankheiten
  • neurologische Schäden mit bleibenden geistigen Behinderungen

In seltenen Fällen sind als Nebenwirkungen dieser gut verträglichen Impfungen leicht erhöhte Temperaturen möglich.

HPV

Seit 2007 wird die Impfung gegen humane Papillomviren für Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren empfohlen. Die Viren gelten als häufigster Auslöser von Gebärmutterhalskrebs. Mit 2 Impfstoffdosen wird eine vollständige Immunisierung erreicht. Spätestens bis zum Beginn des 18. Lebensjahres können die Impfungen nachgeholt werden. Auch Jungen können sich zum Schutz von Frauen impfen lassen! Schwerwiegende Nebenwirkungen wurden bisher nicht beobachtet, möglich sind Rötungen, Juckreiz oder Schwellungen im Bereich der Einstichstelle, in seltenen Fällen tritt Fieber auf.

Keuchhusten

Für Babys kann diese schwere Krankheit lebensgefährlich werden. Eitrige Bronchitis, Lungenentzündung, ein überempfindliches Bronchialsystem bis hin zu Asthma sind mögliche folgen von Keuchhusten. Die gefährlichste Komplikation ist eine Erkrankung des Gehirns, die meist durch Sauerstoffmangel während der starken Hustenanfälle verursacht wird. Als Nebenwirkungen der Impfungen können eine schmerzende und gerötete Impfstelle auftreten sowie erhöhte Temperatur, die ein bis zwei Tage anhalten kann.

Manche Kinder leiden auch kurzfristig unter Appetitmangel oder sie reagieren mit Erbrechen und Störungen des Schlafrhythmus (Tag-Nach-Umkehr). Vereinzelt wurden auch Krampfanfälle und bleibende Gehirnschäden beobachtet. Neuesten Erkenntnissen zufolge treten die Krämpfe durch das Fieber auf, und die Hirnschäden werden nicht durch die Impfung, sondern durch nicht erkannte, bevorstehende Erkrankungen ausgelöst. Bei Frühgeborenen, Mehrlings- und Kaiserschnittkindern wird von diesen Impfungen abgeraten.

Impfung bei Kindern

Ein Kind sollte zwar nur dann geimpft werden, wenn es vollkommen gesund ist, generell sind Impfungen im Kindesalter jedoch sehr wichtig und sollten nicht versäumt werden

Kinderlähmung

Die drei Varianten des Poliovirus greifen das Nervensystem an. Sie können Lähmungen auslösen, insbesondere an den Beinen, aber auch Rumpf und Arme werden davon häufig betroffen, wobei die Lähmung der Atemmuskulatur die gefährlichste Folge ist.

Impfkomplikationen wie Fieberanstieg, Gehirnreizung, Durchfall und leichte Lähmungserscheinungen treten sehr selten auf. Das Risiko, nach der Schluckimpfung eine Lähmung zu bekommen, liegt 1 zu 4,6 Millionen.

Masern

Die Impfungen gegen Masern wurden in Deutschlang 1974 eingeführt. Davor erkrankten in Deutschland jedes Jahr eine halbe bis eine Million Kinder an dieser Krankheit, heute sind es ca. 200 000 Erkrankungen pro Jahr. Etwa bei jedem siebten Kind treten gefährliche Komplikationen während des Krankheitsverlaufs auf: Lungenentzündungen, Mittelohrentzündungen, Vereiterungen der Nebenhöhlen und Entzündungen der Augen.

Besonders gefürchtet ist die Masernenzephalitis (Gehirnhautentzündung), gegen die es bis heute noch kein wirksames Medikament gibt. Durch sie kann ein Kind lebenslange geistige Behinderungen davontragen, und sie kann zum Tod führen.

Diese Impfungen erfolgen meist mit einem Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR-Impfung). Bei jedem fünften bis zehnten Kind kommt es etwa nach einer Woche zu so genannten Impfmasern mit Temperaturanstieg bis 39 Grad Celsius und Ausschlag. Dies dauert aber nur ein bis zwei Tage und ist nicht ansteckend.

Impfkalender

Impfkalender 2015

Alter: Neugeborene bis zur 6. Woche

Impfungen: Tuberkulose, BCG-Impfung

Alter: im 3. oder 4. Monat

Impfungen: Erste Diphtherie-Keuchhustenimpfung mit DT-Zweifach-Impfstoff oder

Erste Diphtherie-Keuchhusten-Tetanus-Impfung mit DPT-Dreifachimpfstoff

Und erste Impfung gegen Haemophilus Influenzae-b (Hib)

Sowie erste Schluckimpfung gegen Kinderlähmung mit Polioimpfstoff

Alter: im 5. Monat

Impfungen: zweite Diphtherie-Keuchhusten-Tetanus Impfung

Alter: im 6. Monat

Impfungen: zweite Diphtherie-Tetanus-Impfung oder

Dritte Diphtherie-Tetanus-Keuchhusten-Impfung und zweite Impfung gegen

Haemophilus-influenzae-b, sowie zweite

Schluckimpfung gegen Kinderlähmung

Alter: ab 15. Monat

Impfungen: Masern-Mumps-Röteln-Impfung mit

MMR-Dreifachimpfstoff sowie

Dritte und letzte Impfung gegen

Haemophilus-influenza-b

Alter: ab 18. Monat

Impfungen: Dritte Diphtherie-Tetanus-Impfung oder

Vierte Diphtherie-Keuchhusten-Tetanus-

Impfung und dritte Schluckimpfung

Gegen Kinderlähmung

Alter: im 7. Lebensjahr

Impfungen: Diphtherie-Tetanus-Auffrischimpfung

Und Masern-Mumps-Röteln Wiederimpf.

Alter: 9. bis 14. Lebensjahr

Impfung: 2 Impfstoffdosen gegen HPV

Alter: im 10. Lebensjahr

Impfung:   Schluckimpfung gegen Kinderlähmung

Auffrischung

Alter: im 15. bis 18. Lebensjahr

Impfungen: Rötelnimpfung für Mädchen, auch wenn im Kleinkindalter bereits gegen Röteln geimpft wurde und Auffrischungsimpfung gegen Tetanus und Diphtherie

Mumps

Ziegenpeter, wie man Mumps auch nennt, wird durch eine Virusinfektion verursacht. Bevor die entsprechende Impfung in Deutschland eingeführt wurde, erkrankten etwa jedes Jahr 200 000 Kinder daran. Bei 7500 bis 15 000 hatte Mumps eine Hirnhautentzündung zur Folge, die unter anderem zu bleibenden Hörstörungen führen kann. Wenn Jugendliche oder Erwachsene an Mumps erkranken, besteht bei Männern die Gefahr einer Hodenentzündung, die eine anschließende Zeugungsunfähigkeit nach sich ziehen kann.

Nach der Impfung kommen Nebenwirkungen wie Rötungen der Impfstelle oder Fieberkrämpfe nur sehr selten vor. In der zweiten Woche nach der Impfung kann gelegentlich ein kurz andauernder Temperaturanstieg auftreten Selten schwillt bei geimpften Kindern die Ohrspeicheldrüse an, die Schwellung ist dann aber wesentlich schwächer ausgeprägt, als bei richtigem Mumps. Noch seltener ist das Auftreten leichter Hirnreizungen durch die Impfung. Der Verdacht, eine Mumpsimpfung könnte die Zuckerkrankheit auslösen, hat sich als unbegründet erwiesen.

Röteln

Für Kinder sind Röteln eine harmlose Krankheit, die oft unerkannt abläuft, da ihre typischen Zeichen wie Ausschlag und Drüsenschwellung am Hals nicht immer sichtbar werden. Trotzdem sollten alle Kinder gegen Röteln geimpft werden, um dadurch das Ansteckungsrisiko für schwangere Frauen herabzusetzen. Eine Rötelinfektion der Mutter während der Schwangerschaft kann nämlich beim Ungeborenen zur Blindheit, Taubheit, Herzfehler, geistigen Behinderungen und sogar zum Tod führen.

Als Kombinationsimpfung sind die Impfungen gegen Röteln – zusammen mit der gegen Masern und Mumps ab dem 15. Monat möglich. Kleine Kinder können auf die Impfung mit geringem Fieber, einem rötelähnlichen Ausschlag und einer Schwellung der Lymphknoten reagieren. Bei Jugendlichen treten vorübergehende leichte Gelenkbeschwerden auf.

Baby bekommt Schluckimpfung

Die Impfung gegen Polio hat ihren Namen von der Art der Aufnahme: Schluckimpfung

Tetanus

Der Wundstarrkrampf führt zu schweren Verkrampfungen der Muskeln. Ist er bereits eingetreten, überlebt auch heute nur etwa die Hälfte der Betroffenen. Die Impfungen gegen Tetanus sind in jedem Lebensalter sinnvoll. Nach einer dreimaligen Grundimmunisierung sind alle zehn Jahre Auffrischungsimpfungen erforderlich.

Tuberkulose

Die Erkrankungshäufigkeit ist zwar in der letzten Zeit stetig zurückgegangen, ganz verschwunden ist diese Krankheit jedoch immer noch nicht. Einen Schutz gegen Tuberkulose (BCG-Impfung) sollten nach Ansicht der Mediziner heute wieder alle Neugeborenen erhalten. Die Impfung hält bis zu 15 Jahre vor und verhindert die besonders bei kleinen Kindern gefürchtete Tuberkulosemeningitis (Hirnhautentzündung) und Knochenmarkentzündung. Die Impfungen werden bei Säuglingen bis zur sechsten Woche vorgenommen, bei älteren Kindern und Erwachsenen nur nach vorausgegangener Tuberkulinprobe. Ein Hauttest klärt dabei ab, ob der Organismus des Kindes in der vorangegangenen Zeit bereits mit den Erregern der Tuberkulose in Berührung gekommen ist.